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Kunststoff CNC-Fraesen: PMMA, POM, PA und mehr richtig bearbeiten
Gehört zu: Material & Bearbeitung

Kunststoff CNC-Fräsen: PMMA, POM, PA und mehr richtig bearbeiten

Kunststoffe sind vielseitig, leicht und gut zu bearbeiten - zumindest theoretisch. In der Praxis zeigt sich schnell: Jeder Kunststoff hat sein eigenes Temperament. Während manche Materialien butterweich zu fräsen sind, neigen andere zum Schmelzen, Splittern oder Verziehen.

Teil der Materialguide-Serie: Dieser Artikel ist Teil unseres umfassenden CNC-Materialguides. Dort finden Sie den Überblick über alle Materialien.

Warum Kunststoffe anders sind als Metall

Bevor wir in die Details gehen, ist es wichtig zu verstehen, warum Kunststoffe besondere Aufmerksamkeit erfordern:

  • Niedrige Wärmeleitfaehigkeit: Entstehende Wärme kann nicht abfliessen - das Material schmilzt
  • Niedrige Schmelzpunkte: Schon ab 80-150 Grad werden viele Kunststoffe weich
  • Elastizitaet: Material weicht aus statt geschnitten zu werden
  • Elektrostatische Aufladung: Späne kleben ueberall fest
  • Spannungsempfindlichkeit: Zu starke Spannung verformt das Werkstück

Die wichtigsten Kunststoffarten im Detail

PMMA (Acryl/Plexiglas)

PMMA ist einer der beliebtesten Kunststoffe für CNC-Bearbeitung: optisch brilliant, UV-bestaendig und hervorragend zu polieren.

Eigenschaften:

  • Glasklare Optik möglich
  • Kratzempfindlich
  • Sproede - kann bei falschen Parametern reissen
  • Schmilzt bei zu viel Wärme (ab ca. 100 Grad)

Bearbeitungstipps:

  • Einschneidige Fräser (VHM Einschneider) für besseren Späneabtransport
  • Hohe Drehzahlen (18.000-24.000 U/min) UND hohe Vorschübe (2.000-4.000 mm/min)
  • Keine ploetzlichen Richtungsaenderungen - Ecken verrunden
  • Niemals im Material stehen bleiben (Wärmestau)
  • Schutzfolie erst nach der Bearbeitung entfernen

POM (Polyoxymethylen/Delrin/Hostaform)

POM ist der Maschinenbau-Kunststoff schlechthin: selbstschmierend, dimensionsstabil, hervorragend zerspanbar.

Eigenschaften:

  • Selbstschmierend - ideal für Gleitlager
  • Sehr gute Masshaltigkeit
  • Hohe Steifigkeit und Festigkeit
  • FDA-konform (lebensmittelgeeignet)

Der ideale Kandidat: POM verzeiht vieles. Es schmilzt nicht so leicht wie PMMA und splittert nicht.

Bearbeitungstipps:

  • Standard-VHM-Fräser funktionieren gut
  • Moderate Drehzahlen (15.000-20.000 U/min)
  • Kühlung ist meist nicht nötig
  • Exzellente Oberflächen möglich

PA (Polyamid/Nylon)

PA ist zaeh und elastisch - was beim Fräsen zur Herausforderung wird: Das Material weicht aus statt sauber geschnitten zu werden.

Eigenschaften:

  • Sehr zaeh und verschleissfest
  • Nimmt Feuchtigkeit auf (quillt)
  • Gute Gleiteigenschaften

Bearbeitungstipps:

  • Sehr scharfe Werkzeuge mit positivem Spanwinkel
  • Hohe Vorschübe - Material muss geschnitten, nicht gedrückt werden
  • Material vor Bearbeitung trocken lagern
  • Druckluft zur Kühlung und Späneentfernung

PE (Polyethylen) und PP (Polypropylen)

Diese Massenkunststoffe sind weich, zaeh und neigen zum Schmelzen.

Bearbeitungstipps:

  • Sehr scharfe Werkzeuge zwingend erforderlich
  • Hohe Vorschübe, geringe Zustellung
  • Druckluft-Kühlung empfohlen
  • Downcut-Fräser verhindern Hochziehen des Materials

Hart-PVC

Steifer als PE/PP, aber Vorsicht: Bei zu hoher Temperatur entstehen giftige Dämpfe (Chlorgas)!

Bearbeitungstipps:

  • Gute Absaugung ist Pflicht (Dämpfe!)
  • Moderate Parameter - nicht ueberhitzen
  • Raum gut belueften

PC (Polycarbonat/Makrolon)

Extrem schlagzaeh und transparent - aber anspruchsvoll in der Bearbeitung.

Bearbeitungstipps:

  • Ähnlich wie PMMA, aber noch wärmeempfindlicher
  • Neigt zu Spannungsrissen - vorsichtig spannen
  • Keine aggressiven Kühlmittel verwenden

Parameter-Übersicht

Material Drehzahl Vorschub Zustellung Besonderheit
PMMA 18.000-24.000 2.000-4.000 mm/min 50% Fräser-D Nicht stehen bleiben!
POM 15.000-20.000 1.500-3.000 mm/min 50-70% Fräser-D Verzeiht viel
PA 15.000-20.000 2.000-3.500 mm/min 40-50% Fräser-D Scharfe Werkzeuge!
PE/PP 12.000-18.000 2.500-4.000 mm/min 30-50% Fräser-D Druckluft-Kühlung
Hart-PVC 15.000-20.000 1.500-2.500 mm/min 40-50% Fräser-D Absaugung Pflicht!
PC 16.000-22.000 1.500-3.000 mm/min 40-50% Fräser-D Spannungsrisse beachten

Die richtigen Werkzeuge für Kunststoff

Fräsergeometrie

Kunststoff-Fräser unterscheiden sich deutlich von Metallwerkzeugen:

  • Größere Spanwinkel: Reduziert Reibung und Wärmeentwicklung
  • Polierte Spannuten: Späne gleiten besser ab, weniger Reibungswärme
  • Einschneider bevorzugt: Mehr Platz für Späne, besserer Abtransport
  • Scharfe Schneidkanten: Stumpfe Werkzeuge = Schmelzen

Empfohlene Fräsertypen

Fräsertyp Anwendung Kunststoffe
VHM Einschneider poliert Universal, Konturen, Taschen Alle, besonders PMMA
Einschneider Kunststoff-Geometrie Weiche Kunststoffe PE, PP, PA
Zweischneider poliert Schlichten, feine Oberflächen POM, PC
V-Nutfräser Gravuren Alle

Kühlung bei Kunststoffen

Anders als bei Metall ist fluessige Kühlung bei Kunststoffen oft kontraproduktiv:

  • Manche Kühlmittel verursachen Spannungsrisse (besonders bei PC)
  • Wasser kann von PA aufgenommen werden
  • Rueckstaende auf der Oberfläche

Besser geeignet:

  • Druckluft: Kühlt durch Expansion, blaest Späne weg
  • Gar keine Kühlung: Bei vielen Kunststoffen ausreichend, wenn Parameter stimmen

Typische Probleme und Lösungen

Problem Ursache Lösung
Material schmilzt Zu langsam, Fräser stumpf Vorschub erhöhen, neuer Fräser
Späne kleben am Fräser Zu viel Wärme, falsches Werkzeug Polierte Spannut, Druckluft
Risse im Material (PMMA) Schlagbelastung, Spannungsrisse Vorsichtiger spannen, Parameter anpassen
Unsaubere Kanten (PA) Material weicht aus Schärferes Werkzeug, mehr Vorschub
Werkstück verzogen Zu starke Spannung, Wärmeeintrag Weniger Spannkraft, bessere Kühlung

Empfohlene BZT-Maschinen

  • PFE-Serie: Geschützte Y-Achse unter dem Nutentisch - Späne gelangen nicht in die Führungen
  • PFU-S-Serie: Robust und vielseitig für alle Kunststoffe
  • Vakuumtisch-Option: Ideal für Plattenware

FAQ - Häufige Fragen

Welcher Kunststoff ist am einfachsten zu fräsen?

POM (Delrin) ist der dankbarste Kunststoff - er verzeiht Parameterfehler, schmilzt nicht leicht und liefert exzellente Oberflächen.

Kann ich Kunststoff mit Metallwerkzeugen fräsen?

Ja, aber nicht optimal. Für gelegentliche Arbeiten geht es, für regelmäßige Bearbeitung lohnen sich spezielle Kunststoff-Fräser.

Warum schmilzt mein PMMA?

Entweder ist der Vorschub zu niedrig, der Fräser stumpf, oder Sie bleiben im Material stehen. Erhöhen Sie den Vorschub deutlich.

Fazit: Kunststoff erfordert Anpassung

Kunststoff ist kein einfacheres Material als Metall - nur anders. Mit den richtigen Werkzeugen, angepassten Parametern und Verstaendnis für die Materialeigenschaften erzielen Sie professionelle Ergebnisse.

Sie haben Fragen zur Kunststoffbearbeitung? Unser Technik-Team berät Sie gerne.

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